Von wegen Hundeleben

von Brigitte Neuschäfer

Viele Tage gibt‘s, da würden meine Hunde mich beneiden, wären sie zu so niederen Regungen fähig wie der Mensch. Das sind die Tage, an denen sie zusehen, wie ich ihre Dosen öffne. Und manche Tage gibt‘s, da beneide ich meine Hunde. Das sind solche wie gestern.
Schon am Morgen ist es heiß, die Hunde müssen trotzdem raus -- denke ich.
Tatsächlich sprinten sie kurz über die Weiden, dann, unerwartet früh, kehren sie zurück. Stecken noch kurz die langen Weimaraner-Nasen in diverse Mauselöcher und traben alsdann eher lustlos neben mir her. Reichlich schlapp für Ambro und Aura vom Berghäuser Feld, sonst wahre Temperamentsbolzen. Nach nicht mal einer halben Stunde schauen sie mich an, wie ich sie wohl so manches Mal anschauen mag, wenn's nass und kalt draußen ist, was aber nur mich allein zu stören scheint. Sie schauen als wollten sie sagen: „Na, haste jetzt bald genug Auslauf gehabt?”
Wieder zu Hause, legen sie sich lang hin auf die kühlen Fliesen in der von der alten Kastanie vorm Haus beschatteten Küche. Zappeln noch in träumerischem Nachempfinden einer verwegenen Jagd mit den Pfoten - - und schnarchen.
Herrlich, bei dieser Hitze auf kühlem Untergrund träumend zu schlummern.
Aber wie erklär ich‘s meinem Chef? Also auf in den neuen Arbeitstag. Die Hunde wachen kurz auf beim öffnen der Haustür, denken aber, entgegen sonstigen Gepflogenheiten, gar nicht daran, mir ihre Begleitung anzudienen.
Nicht bei dieser Hitze! Da lassen sie mich ziehen. Raus ins Leben, in dem der Mensch zu schuften hat, auf dass sein Hund, der derweil in der Kühle schlummert, jene Futterdosen finanziert bekommt, die er nicht mal selber öffnen kann.