Von Brigitte Neuschäfer
Was für ein herrlicher Tag gestern. Sonne pur, ein laues Lüftchen: Wohl dem, der sein Tagwerk erst später am Morgen beginnen muss. Also erst mal mit den Hunden raus. Ambro und Aura rennen über die Weiden, ich schlendere hinterher. Schlendern ist Luxus ­ - und dieser Tag tauglich für Poesie, für Goethe zum Beispiel: „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.”
Da stört Gebrumme das So-Für-Sich-Hin-Latschen, noch bevor ich des Blümleins von Goethe („wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön...”)ansichtig werden könnte. Ist es Nachbar Hardy, der den Futtermais einfährt? Nein, Hardy kann als oberbergischer Milchvieh-Bauer zwar schon manches, aber auf seiner Erntemaschine fliegen kann er definitiv nicht. Das Brummen hat sich zwischenzeitlich aber in die Lüfte erhoben. Ein Blick gen Himmel zeigt: Das ist mitnichten Hardy, das ist ein Helikopter. Ganz vergessen ­- da läuft doch dieser Tage die Waldkalkung aus der Luft. Das wird doch wohl jetzt nicht...?
O doch, es ist der fliegende Kalker. Und ich steh‘ mitsamt den verdutzten Weimaranern mitten drunter, zwar unter Baumkronen, doch werden die naturgemäß im Herbst lichter. Und so kehren wir drei wie bepudert nach Hause zurück. Dies immerhin in der tröstlichen Gewissheit, dass, was gut gegen sauren Boden ist, nicht schlecht sein kann fürs Gemüt. An diesem Tag jedenfalls werde ich nicht mehr sauer.
Und überhaupt: Immer noch besser, gekalkt durchs Leben zu spazieren als verkalkt.