Hasenspur

Noch drei Wochen Zeit hat die fast zehn Monate alte Weimaraner-Hündin bis zu ihrer ersten jagdlichen Prüfung. Bei der „Jugendsuche“ wird unsere Aura vom Berghäuser Feld zeigen müssen, dass ihre Nase mindestens so fein ist wie ihr Name. Dass sie es zum Beispiel schafft, über einige hundert Meter eine Hasenspur zu verfolgen. Doch scheint ihr nicht klar zu sein, dass es der weghoppelnde gemeine Feldhase ist, dessen Duft ihr in die Nase zu steigen hat.
Von still sitzenden Osterhasen war nie die Rede. Ausgerechnet sie scheint Aura aber als Übungsobjekt auserkoren zu haben. Als Erstes musste ein Schokohase dran glauben, dessen Witterung Aura in der Küche aufgenommen hatte. Außer ein bisschen Stanniol-Papier blieb nichts von ihm. Und gestern sah ich sie nun am frühen Morgen mit etwas Weißem im Fang durch den Garten flitzen. Mir schwante Übles: Weiß ist nämlich der Osterhase im Frühlingsgesteck vor der Haustür, die Aura kurz zuvor passiert hatte. Ein wirklich hübsches Häschen aus Wachs, ein vorösterliches Geschenk aus dem Pflanzenpark Scheideweg, das die Ostertage heil überstanden hatte. Die Nachsuche ergab: Aura hatte den Hasen tatsächlich aufgetan und ihn unter dem Rhododendron zur Strecke gebracht. Halali!
Nun ist der arme Kerl kopflos. Und Aura muss lernen, dass sie da irgendwas falsch verstanden hat in Sachen Hasenspur. Aber wie sag‘ ich’s meinem Hunde?
Für guten Rat dankt: Brigitte Neuschäfer