Es lebe das Weidwerk...!

von Brigitte Neuschäfer
Ist‘s nur ein Traum oder real existierender Hörnerklang? Mittwoch, 5.30 Uhr - ich schrecke aus dem Plumeau. Hört, hört, der Hörnerklang ist echt. Ach ja, ist ja Hubertustag heute. Und da ist es bei uns auf dem Land üblich, dass in aller Frühe die Jagdhornbläser zu jedem Haus fahren, in dem ein Jäger wohnt, um eben diesen samt familiärer Gefolgschaft mit den alten Signalen zu wecken. Netter bergischer Brauch im Allgemeinen.
Im Besonderen aber arg aufregend. Denn: Die beiden Weimaraner wissen, was der Hörnerklang zu bedeuten hat - normalerweise. Und so tun sie, was das draußen ertönende Signal auch dem Jagdhund zu tun aufgibt: „Aufbruch zur Jagd”. Ja, können Ambro und Aura denn ahnen, dass eine Wohnung auch dann nicht der geeignete Jagdgrund ist, wenn es sich um die Wohnung eines Jägers handelt?
Und so brechen sie halt auf zur Jagd: Quer durch die Betten und, in Ermangelung von Fuchs und Hase, hinter einander her. Schon stürzt die auf dem Nachttisch deponierte Wasserflasche samt Glas um, reißt den Wecker mit zu Boden, der dabei seinen Geist aufgibt. Egal, bin ja schon wach. Und im allgemeinen Getöse singe ich, wie weiland Reinhard Mey in seiner „DiplomatenJagd”, sehr laut und ebenso schräg: „Es lebe das Weidwerk, dreimal Weidmannsheil - törööö!”