CRUFTS – die weltgrößte Hundeshow

Ein etwas anderer Bericht
Eigentlich sind solche Hundeshow-Veranstaltungen nicht unbedingt das geeignete Umfeld unserer “Grauen”, aber nun haben wir mal einen “Engländer” und der Züchterin zuliebe haben wir uns dazu entschlossen nach Birmingham zu fahren, um unseren Rüden Trubon Asko Truman, genannt Médoc, bei der weltgrößten Hundeausstellung “Crufts”, die vom 6.-8. März stattfand, vorzustellen.
Benannt nach dem Gründer dieser Veranstaltung, Charles Cruft, wurde Anfang der 90er Jahre die Ausstellung nach Birmingham verlegt, da auf Grund der gestiegenen Popularität London keine geeigneten Ausstellungshallen zur Verfügung stellen konnte.
Bei ca. 22000 teilnehmenden Hunden mit insgesamt 180 verschiedenen Rassen, darunter über 300 Weimaranern, rund 130000 Besuchern in 3 Tagen, 400 Ausstellungsständen und über 1,3 Millionen Besucher auf der Website (www.crufts.org.uk) logistisch kein leichtes Unterfangen.

Anreise

Die Anreise am Vorabend des großen “Events” gestaltete sich als problemlos. Weitaus größere Probleme in England bereitet das Finden eines Hotels, welches Hunde akzeptiert, selbst in Birmingham. Auch verbieten Pubs i.d.R. das Mitnehmen von Hunden (und Kindern) – einzige Ausnahme sind Corgies, als Hofhunde der Royals in den Stand der “pubaccepted dogs” erhoben. Da lob’ ich mir unseren Stammpub “The Cock” wo Hunde erlaubt sind, der Bartender Hundebisquits vorrätig hat, allerdings Kinder strengstens untersagt sind.
Doch zurück zu Crufts. Unser Bekannter konnte letztendlich ein Hotel finden, welches uns und unsere Hunde aufnahm. Wen wundert’s - es war eine französische Hotelkette. Das Hotel lag in einem Außenbezirk von Birmingham, sehr idyllisch gelegen zwischen einem vierspurigen Kreisverkehr, Mc Donald’s und Häusern, die in Komfort und Architektur den Behausungen amerikanischer Ghettos in nichts nachstanden. Das Publikum war etwas “different”, so mancher Rapper hätte sich bestimmt pudelwohl gefühlt. Ich allerdings musste noch mit Medoc die abendliche Pieselrunde drehen, und das spärliche Gras für seine Notdurft war meist Müll übersäht. Der Hund flösste wohl auf Grund seiner Größe Respekt ein, so blieb ich von freundlichen Aufforderungen in gepflegtem Birminghamer Akzent wie “haste mal en Pfund eyhh” oder “lass mal die Brieftasche rüberwachsen Kumpel” verschont. Das Hotel hatten auch andere Crufts Teilnehmer ausfindig gemacht, so kam man sich vor wie im Pfötchenhotel mit Rooming-in-Service für die Hundeführer, allerdings bei weitaus geringerem Komfort und mit Security-Service vor der Haustür.

Die Show

Am Ausstellungsgelände angekommen wurden wir auf einen Riesenparkplatz gelotst, in jedem Auto saß mindestens ein Hund. Der erste Kulturschock erfolgte bereits dort, gab es doch tatsächlich Hunde, die in eine Art Overall mit Werbeaufdruck gepackt waren, damit ihr wunderschön gestriegeltes Fell vor dem unwirschen Wetter in England verschont blieb und ihre frisch manikürten Pfötchen bis zur Ausstellungshalle keinen Schaden nahmen. Nicht nur uns, sondern auch Médoc schien das Alles ein bisschen unheimlich – aber es kam noch schlimmer.
Die Ausstellungshallen waren riesengroß. Wer die Messe Jagd und Hund in Dortmund besucht hat, kann sich die Ausmaße von Crufts in Etwa vorstellen, ich denke Crufts dürfte von der Ausstellungsfläche her Dortmund noch übertreffen.
Wir bekamen unsere Startnummer zugeteilt, die auch gleichzeitig die Nummer unserer 1qm großen Liegefläche für den Hund war. Abgetrennt durch 2 Sichtblenden links und rechts lagen da ca. 300 Weimaraner in Reih und Glied und harrten der Dinge, die da kommen. Die meisten unter denen kannten das Procedere bereits, konnten aber mit Sicherheit olfaktorisch einen Fasan nicht von einem Hirsch unterscheiden. Sie waren einfach nur schön. Und ihre Führer bzw. Führerinnen natürlich auch. Neben dem Showring gab es eine Fläche wo mit den Hunden der große Auftritt geübt werden konnte. Dort sah man Herrchen oder Frauchen mit ihren Hunden auf- und abtraben, in einer Schrittfolge und mit einer Körperhaltung, die eher an die Spanische Hofreitschule erinnerten als zu einem Hund gehörend oder aber schon als präfinales Stadium schwerster Arthrose hätten interpretiert werden können.
Nun bleibt es auch nicht aus, dass ein Hund mal muss – noch dazu bei so viel Aufregung und neuen Eindrücken. Ein 3 qkm großer Parkplatz ist da gerade richtig aber weit gefehlt – die Hunde durften bis 16.00 Uhr die Hallen nicht verlassen, damit den zahlenden Zuschauern die später anreisten, auch die Gelegenheit gegeben wurde, die Hunde zu bewundern. Eigentlich keine schlechte Idee, nur hilft es dem Hund nicht, der durch diesen Umstand nicht unbedingt mit bester Laune vor Publikum im Ring tänzelt . Aber auch an das hatte der Veranstalter gedacht und so gab es so genante “Exercise Areas”. Dies waren ca. 20qm große, mit Sägemehl ausgestreute Flächen, auf denen alle teilnehmenden Hunde ihre Notdurft verrichten konnten. Für die Profis kein Problem, sind sie es doch gewohnt, sich in Hallen ihrer verdauten Futterreste zu entledigen, einige taten dies sogar auf das Kommando “Toilet”. Wir waren sichtlich beeindruckt.
Und nun kam der große Augenblick. Unsere Gruppe war dran. Ich übergab Médoc seiner Züchterin, die sich glücklicherweise bereit erklärt hatte, ihn im Ring vorzustellen. Richterin war Patsy Hollings, eine in England bekannte Weimaraner-Expertin und Buchautorin, die in ihrem Buch auch den Zwinger vom Zehnthof sowie Manfred Reuper lobend erwähnt.
Unser abgenutztes und zu einem Jagdhund durchaus passendes Lederhalsband und die dazu gehörige speckige Leine waren als Accessoire nicht gut genug. Médoc bekam ein Kettchen um den Hals gelegt, an einer kurzen Führleine, damit er sich im Ring erhobenen Hauptes von der besten Seite zeigen konnte. Wir mussten gegenüber der Züchterin auch eingestehen, dass wir Médoc am Vorabend nicht gebadet und mit Glanzspülung versehen hatten Und auf die Frage, ob ich denn die Nägel noch lackieren sollte, bekam ich nur einen bösen Blick zugeworfen.
Unser Hund war jetzt also im Ring, sein Frühstück ging jetzt in Gasform über, was ihn von den Exercise Areas zwar unabhängig machte aber nicht unbedingt sehr “stylish und gentleman like” war. Nun gut, er war also dran, und die Richterin kontrollierte strengen Blickes seine Zähne. Ich erinnerte mich an seine Zuchtschau und seine Prüfungen in Deutschland wo jedesmal das Gebiss auf Zahnfehler oder Gebissanomalien untersucht wurde. Toll, dachte ich, die machen das ja richtig professionell…aber ich wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Nicht mögliche Gebissfehler waren der Grund dieser Übung, sondern der Weißheitsgrad der Zähne. Kein Wunder waren an jedem zweiten Stand neben Shampoos in Pink, Olivgrün und Lila auch Bleeching Cremes unterschiedlichster Geschmacksrichtungen zu finden.
Und dann die Bewertung. 5 Hunde aus der Gruppe kamen weiter, die anderen schieden aus. Und siehe da, unser Naturbursche ohne Aftershave, Deo und mit eingerissenen Nägeln kam weiter und wurde Vierter. Vor ihm 3 Foehnis, absolute Showprofis mit beeindruckender Lauftechnik und, gäbe es denn welche, sicherlich überragenden Haltungsnoten. Wir waren zufrieden und die Züchterin auch, haben wir ihrem Zwinger doch Gutes tun können. Ihre Hündin Fenny, Médoc’s Schwester, wurde „Weimaraner of the Year 2002“ in England und gewann neben mehreren Field trials, auch Crufts in ihrer Klasse. Ein weiterer Rüde aus dem Wurf wurde Zweiter in seiner Klasse, somit war der Zwinger Trubon der erfolgreichste Weimaranerzwinger in Crufts (www.trubon-working-weimaraners.com).
Alles in allem war es sicherlich die Reise wert, die Veranstaltung war sehr gut organisiert, allerdings ist es für jagdlich orientierte Hundeführer eher gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile haben wir einen Welpen aus einer britisch-deutschen Paarung aus Fenny (Weimaraner of the Year 2002) und Alf zur Uhlenflucht. Der Züchterin zuliebe werden wir mit der Hündin noch einmal nach Birmingham fahren, sicherlich in einem anderen Hotel übernachten und sicherlich wieder, ohne vorher eine Hunde-Beautyfarm besucht zu haben.
Andreas Guhl